Offene Lesebühne vom 27.03.2015
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Der letzte Freitag im März läutete nun auch für die Lesebühne den Frühling ein.
Während sich immer noch das "blaue Band" (siehe Eduard Mörike) hinter grauen Regenwolken
versteckte, haben wir es uns noch einmal im Raum 154 des Unperfekthaus Essen gemütlich
gemacht um den spannenden Geschichten der Autorinnen und Autoren zu lauschen.

Emine Textor eröffnete die Veranstaltung pünktlich um 19:00 Uhr, vor dem mit
unserem Maskottchen "Lesebiene" und roten Rosen dekorierten Eichentisch.
Auf eine knapp gehaltene Anmoderation, folgte die Frage nach vorlesebereiten Autoren,
die ihr mit mehreren Handmeldungen beantwortet wurde.


Als erstes las Journalist und Autor Steffen Meyer vor. In der autobiographischen Komödie
"Frauen enttäuschen leicht gemacht" erzählte er von im Leben verpassten Chancen mit Frauen
eine mehr als nur ernsthafte Beziehungen einzugehen. Missverständnisse, die Aufrechterhaltung
der "Coolness-Fassade" und die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Personen ließen ihn von
einem Fettnäpfchen in das nächste staksen , so dass er in den richtigen Momenten,
die falschen Entscheidungen traf. Er stellt fest, dass es früher peinliche, aus heutiger Sicht
aber urkomisch Momente gegeben habe. Das Publikum bestätigt es durch Lacher an
verschiedenen Stellen der Geschichte.
Mit "Frankfurt brennt - nicht da wo ich war" erzählte Steffen von einem deutlich ernsteren Thema.
Selbst als Besucher einer Masseversammlung gegen die Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes
anwesend, schilderte er hier seine Eindrücke und berichtigt ein durch Medien falsch
verbreitetes Bild von Straßendemonstrationen. Dabei beschreibt er die Hintergründe,
die zur Veranstaltung führten, wie auch bestimmte Verhaltensweisen der aufeinandertreffenden
Demonstranten und Polizisten.
Neben der Sinnigkeit der Demo und der Machtstellung von Wirtschaftskonzernen
hinterfragt Steffen den sensationsorientierten Journalismus.


Marlies trug einen wissens- und vergleichsorientierten Text über das Stamm-, Klein- und
Großhirn vor. Sie führte neben Aufgabenerläuterung der Organe einige praktische Beispiele,
wie die Stresssituation in Prüfungen an: "Es gibt Menschen die gehen in die Prüfung und
vergessen ihren eigenen Namen (…)." Weiterhin erzählt Sie vom "Schubladendenken"
einzelner Personen über eine unbekannten Menschengruppe, wenn diese eine
entsprechende Erfahrung gemacht habe. "Wenn die Erfahrungen positiv sind verankern wir
unsere Gedanken und Gefühle im emotionalem Gehirn." fasste sie zusammen.
Ein Gehirn dass die Wissenschaft bislang nicht beschrieben hätte,
aber genauso wichtig sei, wie die Kenntnisse über das Stamm-, Groß-, und Kleinhirn.
Das Bewusstsein über dieses "emotionale Gehirn" sei sehr wichtig betonte Sie
am Ende vor den Zuschauern.


Für positive Emotionen und einen Angriff auf die Lachmuskeln, sorgte Stammautor Florian Eichhorn.
Seine Auftritt begann er mit Lymeriks über die Lesebühne und Katzen, gefolgt vom selbstverfassten
Ratgeber "Hals und Beinbruch - Der perfekte Aufenthalt im Krankenhaus". Hier beschreibt er, wie man
als Patient die volle Aufmerksamkeit und den puren Luxus im Krankenhaus genießen kann,
wenn man es nur clever anstellt. Dass das Pflegepersonal und die Ärzte in den Wahnsinn
getrieben werden ist hierbei nur nebensächlich zu erwähnen. So empfiehlt der Ratgeber,
Vorsorgeuntersuchungen so lange wie möglich aufzuschieben, Ärzte in lange Lebensgeschichts-
Monologe zu verwickeln und sowohl so oft- und irgendsmöglich vom Pizza-Bringdienst,
wie auch von der "Schwesterntaste" Gebrauch zu machen.
Mit dem Folgetext " Die Geburtslegende des Gockels", zog Florian einer seiner frühen Werke
aus dem Petto. Darin geht es um eine Henne, die mit ihren Leidgenossen,
eingezwergt in einer Legebatterie, eine Protestaktion gegen Menschen plant.
Sie legt zwei "Supereier" , ehe alle Hennen, die Eibrut einstellen.
Aus diesen zwei Eiern erwächst ein gewaltiger Gockel, der eine Revolution startet und
so den Hennen eine Flucht vor den grausamen Menschen ermöglicht.
Auf die gemischten Reaktionen des Publikums hin, setzte er mit weiteren Lymeriks fort.
So konnte das Publikum "Mord im Bordell, die Putzfrau am Nil" und "Freunde in Bayern" hören,
bevor Emine Textor zur 10-Minuten-Pause aufrief.


Nach der Auszeit gab der zugekommene Autor Dieter Wischnewski sein Debut.
Mit "Handwerkstag" las er einen, dem Autor Torsten Sträter nachempfundenen Text vor.
Ein Mann nimmt sich mit seinem Kumpel vor, ein Rollo an die Decke anzumontieren.
Die vermeintlich einfache Aufgabe führt schlussendlich zum Desaster mit brennenden Wohnung,
an der Benjamin Blümchen, ein schellender Nachbar und ein ziemlich einfältiger Freund,
mit dem Namen "Karl-Heinz" beteiligt sind.
Für ebenbürtiges Tohuwabohu sorgten Kinder in der Geschichte "Haschkekse".
Hier stibitzt der Nachwuchs eines Bekannten, die vom Erzähler als Schokoladenkekse getarnten
Haschrationen. Als die Leckereien schließlich in der Schule entdeckt werden, ist bereits
der Wirbel in vollem Gange. Überforderten Eltern und Pädagogen stehen schließlich vor
ihren überdrehte und halluzinierenden Kindern.
Im letzten Werk "Die Kinderfickerpartei" kritisiert Dieter die in der Gesellschaft
zustanden gekommene Ansicht, eine Partei nach dem Fehlverhalten eines einzelnen Politikers
zu bewerten. Dabei stellt er die Fragen, ob der Politiker Sebastian Edathy mit
der Kinderporno-Affäre zu Recht am Pranger stand, Politiker grundsätzlich Kinderhasser oder
zu Unrecht verurteilte Gutmenschen seien und was eigentlich Pornos
im Allgemeinen bedeuten.
Er schließt damit ab, dass Edathy zwar kein Symphat, die "mediale Dreckschmeißerei"
aber auch nicht der richtige Weg sei.


In "das Redaktionsprotokoll" erzählte Steffen Meyer ebenfalls von unsympathischen Menschen.
Hier geht es um ein manipulierten Artikel, einer Social-Media-Redaktion,
die eine bestimmte Gesellschaftsgruppe bewusst in ein falsches Licht rückt.
Als es Steffen auffällt und er mit Hilfe eines Leaks für Richtigstellung sorgen will,
wird dieser Artikel schließlich entdeckt und gelöscht. Am Ende stehen Leaker und
Redaktion im Konflikt.
Konflikt sorgt für Stress und Stressabau ist sehr gut mit Pausenzeiten abzubauen.
Warum nicht also eine "Brotzeit"?.Im gleichnamigem Text zündet Steffen ein wahres
Brotwitz-Feuerwerk der Extraklasse. Eine im Restaurant gereichte und
dem Erzähler nach wohlschmeckende Brot-Suppe sorgt für solche Euphorie,
dass dieser sich zum Kauf einer Brotbackmaschine entschließt.
Dabei erkennt er sein wahres "Brotenzial" und versucht sein Leben,
in ein Imperium aus Brot zu verwandeln. So verwandelt er Alltagsgegenstände und
seine komplette Wohnung in die leckeren Backware.
Sein geplantes System fällt jedoch in sich zusammen, als der Erzähler Hunger bekommt.


Ob Michi Teeskes Figur ständig Hunger auf Brot hat, konnten das Publikum in einem von ihr
mitgebrachten Steckbrieftext erfahren. Hier stellte sie ihre sogenannte "Avak-Figur"
mit dem Namen Gizmo vor. Die aus Pappmache bestehende Figur wurde, neben ihrem
offensichtlichen Aussehen, auch charakterlich beschrieben.
Dabei versprach Michi in naher Zukunft noch mehr über ihren "Avak" zu erzählen.


Für reichlich Gesprächsstoff sorgte eine von Steffen Meyer angeführte Spontanaktion,
bei der Marlies und Florian Eichhorn unterstützten.
Gemeinsam lasen sie einen Originaltext eines Hip-Hop-Chats vor,
bei der zwischen coolen und slang-redenden Usern einige Störer für Aufruhe sorgten.
So wurden mit Unverständnis und in bekannter, beleidigender Manier auf die User reagiert.
Dass Themen wie Brosis, Olli P und No Angels nicht in den Chat passten stellte sich als
geringeres Übel heraus, als ein Heavy-Metaller-User auftaucht und sich mit einigen
Hip-Hop-Usern anlegt.
Das Publikum nahm den Chat mit mäßiger Begeisterung auf.
(nicht verfügbar)
Verfasser: Dane Iligkeit
Text vom: 24.04.2015
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